Seminardetails

Fachkraft für Traumapädagogik und Traumafachberatung

Die Seminarreihe hat bereits begonnen nächster Start 24.09.24

Kursnr.
232-A609
Beginn
Mi., 20.09.2023,
09:00 - 16:00 Uhr
Dauer
Gebühr
2680,00 €
„Kinder brauchen Wurzeln und Flügel, Bindung und Autonomie“

Niemand wird stark ohne Krisen zu bewältigen. Wir reifen und erweitern unsere Kompetenz, so lange die Herausforderungen vor die wir gestellt werden zu bewältigen sind. Wenn eine Belastung aber so groß ist, dass sie unsere Existenz bedroht oder, wenn wir sehen, wie ein anderer existenziell bedroht ist, wird es kritisch. Wenn wir diese Situation weder durch unsere Erfahrung oder unser Wissen noch durch die Notfallreaktion Flucht oder Angriff bewältigen können, dann fühlen wir uns maximal ausgeliefert.

Ein solcher Moment kann so überwältigend sein, dass unser Organismus nicht in der Lage ist, ihn zu verarbeiten.
Die nicht verarbeiteten Reste können unsere kognitiven, emotionalen und körperlichen Funktionen beeinträchtigen. Je früher, je stärker und langandauernder eine solche Erfahrung eintritt, desto wahrscheinlicher entwickeln wir eine Traumafolgestörung.

Kinder und Heranwachsende, die davon betroffen sind, benötigen unseren besonderen Schutz und unsere größtmögliche Kompetenz.

Traumatherapeutisches Wissen und die aktuellen traumapädagogischen Ansätze sensibilisieren für den menschlichen Umgang und unterstützen, die Betroffenen zu mehr Stabilität, Selbstwirksamkeit und sozialer Teilhabe.

Das Ziel traumapädagogischer Interventionen ist, den betroffenen Kindern und Jugendlichen „sichere Orte“ zu bieten. Dort können innere und äußere Ressourcen ausgebildet werden. Denn Ressourcen sind die zentrale Vorrausetzung für Stabilisierung und Weiterentwicklung.


Zielgruppe und Zugangsvoraussetzungen

Die Fortbildung richtet sich an pädagogische Fachkräfte (stationäre und ambulanten Jugendhilfe, Pflegefamilien, sozialpädagogische Lebensgemeinschaften), Fach- und Lehrkräfte der Kindertagesbetreuung oder auch Beratungskräfte (Erziehungs- und Familienberatung sowie Fachberater) und Supervisoren in pädagogischen und psychosozialen Arbeitsfeldern.

Erwartet wird die Bereitschaft zur Selbsterfahrung um die Unterrichtsinhalte nicht nur theoretisch, sondern im praktischen Tun zu erlernen.

Sofern Sie eine weitere Zertifizierung eines Fachverbandes anstreben (s.u.) gelten zusätzlich folgende Voraussetzungen:
• Abgeschlossene Berufsausbildung im sozialadministrativen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich (vor allem Erzieher*innen, Pflegefachkräfte, Hebammen, Ergotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen, Logopäd*innen o.a.) oder
• (Fach-) Hochschulabsolvent*innen mit pädagogischen, psychologischen oder verwandten Abschlüssen (vor allem Dipl. Pädagog*innen und Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, Sonder-Pädagog*innen, Lehrer*innen, Theolog*innen, Soziolog*innen ) und
• Mindestens 3-jährige Berufserfahrung in einem relevanten Praxisfeld (Praktika und Anerkennungsjahre können angerechnet werden).
• Die Leitung behält sich vor, Teilnehmende bei ungeeigneter fachlicher oder persönlicher Qualifikation von der Zertifizierung auszuschließen.

Zertifikat(e): Verschiedene Möglichkeiten für ihren Bedarf

Wir bieten Ihnen verschiedene Weiterbildungen im Kontext der Traumapädagogik und Traumazentrierter Fachberatung an - Sie wählen aus, was Sie für ihren beruflichen Kontext brauchen.

1. Via Nova Akademie Zertifikat Fachkraft für Traumapädagogik und Traumafachberatung (Basiscurriculum)
Diese Weiterbildung umfasst an 15 Seminartagen (120 Unterrichtseinheiten) ein traumapädagogisches Basiscurriculum, in das 1 Tag (8 UE) Supervision integriert ist. Für den Erwerb des Zertifikates werden die regelmäßige Teilnahme an den einzelnen Modulen und an Intervisionstreffen vorausgesetzt.
Die erfolgreiche Verschriftlichung und Präsentation einer praxisorientierten Projektvorstellung im Rahmen des Abschlusskolloquiums ist für den Abschluss verpflichtend.

2. DeGPT Zertifikate Traumapädagogik und/oder Traumazentrierte Fachberatung (Vertiefungskurse)
Nach Abschluss des oben beschriebenen Basiscurriculums können Sie Vertiefungskurse besuchen, die mit Zertifikaten der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) abschließen.

Hier bestehen folgende Möglichkeiten:

A. DeGPT -Zertifikat Traumapädagogik/ traumazentrierte Fachberatung mit Schwerpunkt Traumapädagogik
• Besuch des 4-tägigen Vertiefungskurses (32 UE) Traumapädagogik
• 2-tägige Supervision (16 UE) in Gruppen von höchstens 9 TN, die Abgabe einer Falldokumentation unter Verwendung von Originaldokumenten ist verpflichtend
B. DeGPT- Zertifikat Traumapädagogik/ traumazentrierte Fachberatung mit Schwerpunkt traumazentrierte Fachberatung
• Besuch des 4-tägigen Vertiefungskurses (32 UE) traumazentrierte Fachbratung
• 2-tägige Supervision (16 UE) in Gruppen von höchstens 9 TN, die Abgabe einer Falldokumentation unter Verwendung von Originaldokumenten ist verpflichtend.


Seminarinhalte (=Basiscurriculum des Nordlicht Instituts, Eckernförde)

Modul 1 [20.09.2023 und 21.09.2023]

Tag 1: Einführung

Das „who is who“ der Gruppe
• Kennenlern-Runde mit Hintergrund und Anliegen, systemische Fragen (Gruppe)

Wir müssen das Rad nicht neu erfinden
• Geschichte der Psychotraumatologie und Traumapädagogik

Um was geht es?
• Traumadefinition anhand von Fallvignetten (Gruppenarbeit)

Es ist was es ist, was es ist…
• Zur Unterscheidung bewältigbarer und nicht bewältigbarer Notfälle – die traumatische Zange

Wenn der Blitz nicht nur einmal einschlägt?!
• Typ I und Typ II Traumata, sequentielle Traumatisierung, Bindungs-traumata (Schwerpunkt Kindheit)
• Individuelle und ereignisspezifische Risikofaktoren
• Traumafolgestörungen und die Komorbiditäten bei Kindern/ Jugendlichen/ Erwachsenen (Plenum)

Tag 2: Grundlagen

Woher weiß ich, ob ich da bin?
• Einführung des Ressourcenbarometers zur Orientierung in Zeit und Raum (Selbsterfahrung)

Vom Häschen und Denker
• neurobiologische Grundlagen und die Verarbeitung von Informationen und die Zuordnung auf der Zeitachse (Gruppe)

Fühle ich mich sicher?
• Grundlagen Polyvagaltheorie,
• Autonomes Nervensystem, physiologische Schaltkreise
• Defensivsystem, System für soziales Engagement und Shut-Down

Rauchmelder, überforderte Archivare und die geflügelten Bodyguards
• oder: Das Vergangene ist nicht vergangen
• fragmentierte Erinnerungen, Flashbacks und “Traumareste“ (Gruppe)
„Ich bin kein Freak“
• Psychoedukation - von der Notwendigkeit zu verstehen was geschieht
(Kleingruppen)

Wo finde ich Sicherheit in mir?
• (Selbsterfahrung) Imagination (im Laufen): Der innere Wohlfühlort


Modul 2 (20.11.2023 und 21.11.2023]

Tag 1: Bindung

Niemand, der mich versteht?!
• elterliche Feinfühligkeit und ihr Fehlen

„Hilf mir, zu mir selbst zu finden...“
• der Kreis der Sicherheit
• die Entstehung von Arbeitsmodellen für Bindung
• Bindungsstile
• Bindungsdiagnostik (Gruppe)

Und was ist mit mir?
• AAI (Selbsterfahrung)
• SAT Test (Übung)

„... denn ich merke immer stärker, dass ich mich verlier“
• Bindungsstörungen

Wie uns Erfahrungen prägen
• der biografische Faden (Kleingruppe)

Tag 2: Bindung II und traumasensible Haltung

„..dann find ich auch zu dir...“
• die Pädagogik des guten Grundes

Nur keine Aufregung!
• Was triggert mich? (Selbsterfahrung)
• die Dynamik von Übertragung und Gegenreaktion bei (bindungs-)
• traumatisierten Kindern (Jugendlichen, Erwachsenen)
• Hirnentwicklung und Perspektivwechsel
• das Täterviereck und seine Dynamik (Übung)



Hilfe aus dem Reich der Phantasie
• Imagination eines inneren Helfers (Dyade)


Modul 3 [08.01.2024 und 09.01.2024]

Tag 1: Äußere Sicherheit und rechtliche Bestimmungen

Was von außen Halt gibt
• Aspekte struktureller Sicherheit
• Räumliche Sicherheit
• Sichere Bindungsangebote

Sichere Orte (auch) für Fachkräfte
• Partizipation
• Fehlerkultur
• Netzwerkarbeit

Selbstfürsorge als Qualitätsmerkmal pädagogischer Arbeit

Relevante juristische Bestimmungen im Trauma-Kontext
• Schwerpunkt Opferschutzgesetze und Kinderschutz

Tag 2: Selbstfürsorge und Sekundärtraumatisierung

„Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt...“
• Burn Out, Sekundärtraumatisierung und Compassion Fatigue – die dunkle Seite der Empathie
• Schuld und Scham als Bewertung erkennen, eigene Glaubenssätze identifizieren und verändern lernen

„Wer mit traumatisierten Menschen arbeitet, sollte unbedingt beachten…“
• Zur Notwendigkeit von Selbstfürsorge
• Techniken der Körpersynchronisation und – integration
• Erleben vielfältiger Methoden der Selbstfürsorge



Modul 4 [08.02.2024 und 09.02.2024]

Tag 1: Dissoziation

„Als wäre ich ein Geist, der auf mich herunterschaut“
• Differenzierung: Alltagsdissoziation und störungswerte Dissoziation
• Diagnostik dissoziativer Störungen (Kleingruppen)
• Dissoziation bei Kindern und Jugendlichen
• Diagnosekriterien ICD
• Strukturelle Dissoziation
• Reorientierung durch bilaterale Stimulation (Selbsterfahrung)
• Flashbackkontrolle über Distanzierung
• Imaginationstechnik: innerer Tresor (Dyade und Selbsterfahrung)

Tag 2: Stabilisierung

Wie ich werde, wer ich bin
• Persönlichkeitsentwicklung
• Schwingungsfähigkeit
• Die Säulen der Persönlichkeit

• Yo, wir schaffen das
• Gezielte Interventionen für die Stabilisierung und den Aufbau destabiler /nicht entwickelter Säulen

Alles im grünen Bereich??
• Sammlung bekannterTechniken zur Beruhigung und Aktivierung
• Selbstregulation

Nicht alles hilft jedem
• Alters- und genderspezifische und kultursensible Stabilisierungstechniken

Hier und Jetzt oder Dort und Damals?
• Arbeit mit dem Ressourcenbarometer
• ReOrientierung und Flashbackkontrolle
• „Top down“ oder „body to brain“
• Distanzierungstechniken
• Skills
• Imaginative Verfahren zum Umgang mit schwierigen Gefühlen

Mein Körper und ich –Einheit oder getrennte Welten?
• Sensorische Integration
• Frühkindliche Reflexe und neuromotorische Entwicklung
• Mögliche Auswirkungen früher traumatischer Erfahrungen auf die Verarbeitung von Reizen
• Übungen zur Körperwahrnehmung

Modul 5 [18.03.2024 und 19.03.2024]

Tag 1: Schatzsuche

Ressourcenaktivierung in der Praxis u. a.
• Ressilienzfördernde und körperorientierte Ressourcenmethoden
• Positive life events und die timeline
• Ressourcenhand
• Ressourcenrad
• Aspekte äußerer und innerer Stärke
• „Superheldenkräfte“
• Einsatz ressourcenorientierter Metaphern
• Arbeit mit Ankern

Tag 2: Trauma und System: Grundlagen systemischen Arbeitens

Basics
• Definition: Auftrag, System, Triangulation, das Familienmobile,
• Systemische Fragetechniken

Pädagogisches Arbeiten mit dem Familiensystem u. a.
• Der dissoziierte Berater (Gruppenübung)
• Ressourcen im System
• Ressourcengenogramm
• Ressourcenblick
• Ressourcenorientierte Biografiearbeit



Modul 6 [25.04.2024 und 26.04.2024]

Tag 1: Traumatisierte und traumatisierende Systeme -Transgenerationale Traumaweitergabe

Wenn dein Schmerz mich schwächt oder unser Schmerz alles Andere überwiegt
• Formen systemischer Traumaerfahrung
• Therapeutische Ansätze
• Das erstarrte Mobile

Wenn das eigene Trauma vererbt wird
• transgenerationale Traumaweitergabe
• Auswirkungen auf das Bindungsverhalten
• Nonverbale Übertragung
• Bindungsverhaltenssystem und Loyalität
• Containering traumatischer Erfahrungen
• Epigenetik

Wenn der sichere Hafen vermint ist
• Parentale Hilflosigkeit
• Psychoedukation
• Individuelle Entlastungsangebote
• Arbeit mit Kinderbüchern

Tag 2: Das innere Team

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
• die innere Multidimensionalität
• Grundlagen der kommunikationswissenschaftlichen Ansätze
• Grundlagen EST (Ego State Therapie)
• die inneren Kritiker und ihre Antipoden (Selbsterfahrung)
• anliegenspezifische Aufstellung meines inneren Teams (Selbsterfahrung/Dyade)
• Versorgung eines inneren Anteils (Selbsterfahrung/Dyade)




Modul 7 [23.05.2024 und 24.05.2024]

Tag 1: Ego State-Arbeit mit traumatisierten Menschen

Wer ist hier der Kapitän? / Alle an Bord?
• Verletzte Anteile
• Symptomassoziierte (Affekt-States) und traumatisierte Ego States
• Bewältigende Anteile
• Von Feuerlöschern, Managern und Nebelkindern
• Verletzende Anteile
• Von inneren Richtern, Verfolgern und bösen Geistern
• täternahe States, traumaassoziierte innere Kritiker
• täterloyale und, -imitierende Anteile

König des Tages, Alltags-ich und die traumatischen Erfahrungen

Dynamik in traumabelasteten inneren Systemen
• Innere Konflikte, Allianzen und mächtige graue Eminenzen
• Traumasensible Kontaktaufnahme

With a little help from my (inner) friends
• Aktivierung des inneren Ressourcenteams
• Fallaufstellung des inneren Teams anhand des Peichl-Kreuzes
• (Kleingruppensupervision)

Tag 2: Traum(a)therapeutische Ansätze

Was hilft wann und wem?
• therapeutische Methoden im Überblick

Ich kann mich erinnern!
• Bildschirmtechnik zur Flashbackkontrolle und Entlastung für die trauma-pädagogische Arbeit
• Bildschirm und Fernbedienung (Selbsterfahrung /Dyade)
• Screenen einer belastenden Sequenz (Selbsterfahrung/Dyade)
• Screentechnik mit positiven Lebensereignissen

Begleitung im Prozess der Integration und Neuorientierung:
• Rituale des Abschiednehmens



Modul 8 Abschlusskolloquium [21.06.2024]

• Präsentation und Reflexion der Projektarbeit unter Wahrung der Schweigepflicht
• Supervision der praktischen Erfahrungen und des Weiterbildungsprozesses
• Zertifizierung und Abschluss


Im Preis sind Seminarunterlagen, Kaffee, kalte
Getränke, Obst und Snacks enthalten.

Kursort
Via Nova Akademie
Schütterberg 19
25524 Itzehoe

Kurstermine
Anzahl: 15
Datum

25.04.2024

Uhrzeit

09:00 - 16:00 Uhr

Ort

Via Nova Akademie, Schütterberg 19, 25524 Itzehoe

Datum

26.04.2024

Uhrzeit

09:00 - 16:00 Uhr

Ort

Via Nova Akademie, Schütterberg 19, 25524 Itzehoe

Datum

23.05.2024

Uhrzeit

09:00 - 16:00 Uhr

Ort

Via Nova Akademie, Schütterberg 19, 25524 Itzehoe

Datum

24.05.2024

Uhrzeit

09:00 - 16:00 Uhr

Ort

Via Nova Akademie, Schütterberg 19, 25524 Itzehoe

Datum

21.06.2024

Uhrzeit

09:00 - 16:00 Uhr

Ort

Via Nova Akademie, Schütterberg 19, 25524 Itzehoe

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