Veranstaltungen

Fachkraft für Traumapädagogik und Traumafachberatung

Traumapaed_08-21

11.08.2021 - 01.04.2022

 

Hilf mir, zu mir selbst zu finden….

 

…dann find ich auch zu dir (H. van Veen)

 

 

Verletzte Kinderseelen verstehen und begleiten

 

Kinder brauchen Wurzeln und Flügel, Bindung und Autonomie. Menschen wachsen an Herausforderungen und niemand wird stark ohne Krisen zu bewältigen. In den ersten Lebensjahren brauchen Kinder dazu Erwachsene, an denen sie sich orientieren, von denen sie lernen und mit deren Stärke sie sich verbinden können. Und wir brauchen ein Leben lang in manchen Situationen andere die uns helfen wenn wir selbst nicht weiter wissen.

 

So lange die Herausforderungen vor die wir gestellt werden, mit oder ohne Unterstützung zu bewältigen sind, werden wir an ihnen reifen und unsere Kompetenz zum Krisenmanagement erweitern.

 

Wenn aber eine Belastung unsere Existenz bedroht oder wir Zeuge werden, dass die eines anderen Menschen bedroht ist, und wir diese Situation weder durch unsere Erfahrung und unser Wissen noch durch die Notfallreaktion Flucht oder Angriff bewältigen können, werden wir uns maximal ausgeliefert fühlen.

 

Ein solcher Moment kann so überwältigend sein, dass unser Organismus nicht in der Lage ist ihn zu verarbeiten. Die Folge ist, dass die Erinnerungsfunktion unseres Gehirns nicht imstande ist, das Erlebte als vergangen zu begreifen und zu integrieren.

 

Die nicht verarbeiteten Reste können unsere kognitiven, emotionalen und körperlichen Funktionen beeinträchtigen. Je früher wir eine solche Erfahrung machen, je stärker und langandauernder sie ist, desto wahrscheinlicher entwickeln wir eine Traumafolgestörung, die häufig als belastender erlebt wird, als die eigentliche traumatische Erfahrung. Und wir werden intuitiv alles versuchen, diesen unangenehmen Folgen aus dem Weg zu gehen.

 

Weil unser Gehirn aber durch Wiederholung lernt, werden sowohl die unverdauten Reste als auch das Vermeidungsverhalten zum festen Bestandteil unseres Lebens. Mit möglicherweise weitreichenden Folgen für unser körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden.

  

 

Wenn schon ein einmaliges Erlebnis so tiefe Erschütterungen verursachen kann was geschieht dann wohl mit Kindern, deren Wurzeln zu früh gekappt, die zu früh flügge werden müssen? Wenn ein Kind von denselben Menschen verraten, verlassen, misshandelt wird, die es versorgen, lieben und seiner Seele die sichere Verwurzelung bieten soll?

 

Es nimmt Schaden auf allen Ebenen seiner Entwicklung:

 

Auf der Ebene

  • der Hirnentwicklung
  • der Beziehungsgestaltung
  • der Leistungsfähigkeit
  • der Identität

 

Diese chronisch belasteten Kinder und Jugendlichen, Kinder die unter den Folgen häuslicher Gewalt und schwieriger Beziehungserfahrungen leiden, stellen ihre Umwelt oftmals vor besondere Herausforderungen. 

 

Ihr Verhalten, das es ihnen ermöglicht sich in ihrem Leben und seinen Besonderheiten zurechtzufinden und größeren Schaden abzuwenden, ist häufig schwer zu verstehen und zu ertragen.

 

Gerade diese Kinder und Heranwachsenden benötigen unseren besonderen Schutz und unsere größtmögliche Kompetenz.

 

Traumatherapeutisches Wissen und die aktuellen traumapädagogischen Ansätze sensibilisieren für den menschlichen Umgang und unterstützen in der professionellen Begleitung  der Betroffenen zu mehr Stabilität, Selbstwirksamkeit und sozialer Teilhabe.

 

Das Ziel traumapädagogischer Interventionen ist, den betroffenen Kindern und Jugendlichen „sichere Orte“ zu bieten. Dort können innere und äußere Ressourcen ausgebildet werden. Denn Ressourcen sind die zentrale Vorrausetzung für Stabilisierung und Weiterentwicklung.

 

In dieser Weiterbildung lernen angehende Traumapädagogen und Traumafachberater Ideen zum angemessenen Umgang mit schwer belasteten Menschen kennen. Auf dem Hintergrund von komplexem Fachwissen über geschichtliche Aspekte, die hirnphysiologischen Zusammenhänge, pädagogische Diagnostik und verschiedene pädagogische und therapeutische Ansätze üben sie Techniken der Stabilisierung. Dazu gehören Psychoedukation, Grundwissen zu Aspekten äußerer Sicherheit inklusive eines konsistenten und sicheren Bindungsangebots, Interventionen zur Flashbackkontrolle und Re-Orientierung, sowie Möglichkeiten der Ressourcenaktivierung.

Hierbei geht es darum, Ressourcen innerhalb der Selbstkonzepte der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu entdecken, betonen und gegebenenfalls zu ergänzen. Weiterhin ist das Ziel, dysfunktionalen Handlungs- und Verhaltensmustern (Impulsivität, zerstörerisches Verhalten, übersteigerte Ängste etc.) effektiver begegnen zu können.

 

Umfangreiches Wissen ermöglicht den Teilnehmern außerdem, die „besonderen Verhaltensweisen“ traumatisierter Menschen einzuordnen und zu verstehen. Das Wissen erleichtert, dieses Verhalten nicht persönlich zu nehmen.

 

Die Teilnehmer der Weiterbildung üben sich in Selbstreflexion, dem Wissen um den eigenen Umgang mit Stresssituationen und deren Regulation und der Notwendigkeit von guter Selbstfürsorge.  Dies ist eine weitere Voraussetzung dafür, sich im pädagogischen Alltag nicht in die Fallen der Traumadynamik zu verstricken.

 

 

Zielgruppe der Fortbildung sind pädagogische Fachkräfte (stationäre und ambulanten Jugendhilfe, Pflegefamilien, sozialpädagogische Lebensgemeinschaften), Fach- und Lehrkräfte der Kindertagesbetreuung oder auch Beratungskräfte (Erziehungs- und Familienberatung sowie Fachberater) und Supervisoren in pädagogischen und psychosozialen Arbeitsfeldern.

 

Erwartet wird die Bereitschaft zur Selbsterfahrung um die Unterrichtsinhalte nicht nur theoretisch sondern im praktischen Tun zu erlernen.

 

 

 

Aufbau der Module

 

 

Modul 1: Einführung

 

Termin: Mi 11.08.2021 + Do 12.08.2021

 

Tag 1

 

Das „Who is who“ der Gruppe

  • Kennenlernen Runde mit Hintergrund und Anliegen, systemische Fragen (Gruppe)

Wir müssen das Rad nicht neu erfinden

  • Geschichte der Traumatherapie und Traumapädagogik

Um was geht es?

  • Traumadefinition anhand von Fallvignetten
    (Gruppenarbeit)

Es ist was es ist, was es ist

  • Zur Unterscheidung bewältigbarer und nicht bewältigbarer Notfälle – die traumatische Zange

Wenn der Blitz nicht nur einmal einschlägt?!-

  • Typ I und Typ II Traumata, sequentielle Traumatisierung, Bindungstraumata (Schwerpunkt Kindheit)
  • Individuelle und ereignisspezifische Risikofaktoren
  • Traumafolgestörungen und die Komorbitäten (Plenum)

Tag 2

 

Woher weiß ich ob ich da bin?

  • Einführung des Ressourcenbarometers zur Orientierung in Zeit und Raum
    (Selbsterfahrung)

Von Häschen und Denker

  • neurobiologische Grundlagen und die  Verarbeitung von Informationen und die Zuordnung auf der Zeitachse (Gruppe)

Rauchmelder, überforderte Archivare und die geflügelten Bodyguards- oder: Das Vergangene ist nicht vergangen

  • - fragmentierte Erinnerungen, Flashbacks und “Traumareste“ (Gruppe)

„Ich bin kein Freak“

  • - Psychoedukation - von der Notwendigkeit zu verstehen was geschieht (Kleingruppen)

Wo find ich Sicherheit in mir

  • Selbsterfahrung) Imagination (im Laufen): Der innere Wohlfühlort

 

 

 

Modul 2: Bindung

 

Termin: Mi 15.09.2021 + Do 16.09.2021

 

Tag 1

 

Niemand der mich versteht?! –

„Hilf mir zu mir selbst zu finden...

  • elterliche Feinfühligkeit und ihr Fehlen
  • der Kreis der Sicherheit
  • die Entstehung von Arbeitsmodellen für Bindung
  • Bindungsstile
  • Bindungsdiagnostik (Gruppe)

Und was ist mit mir?

  • AAI (Selbsterfahrung)
  • SAT Test (Übung)

„...denn ich merke immer stärker, dass ich mich verlier“

  • Bindungsstörungen

Wie uns Erfahrung prägen

  • -der biografische Faden (Kleingruppe)

Tag 2

 

„..dann find ich auch zu dir...“

  • die Pädagogik des guten Grundes

Nur keine Aufregung!       

  • Was triggert mich? (Selbsterfahrung)
  • die Dynamik von Übertragung und Gegenreaktion bei (bindungs-) traumatisierten Kindern (Jugendlichen, Erwachsenen)
  • Hirnentwicklung und Perspektivwechsel
  • das Täterviereck und seine Dynamik (Übung)

Hilfe aus dem Reich der Phantasie

  • Imagination eines inneren Helfers (Dyade)

 

 

 

Modul 3

 

Termin: Do 21.10.2021 + Fr 22.10.2021

 

Tag 1: Äußere Sicherheit

 

Was von Außen Halt gibt

  • Aspekte struktureller Sicherheit
  • Räumliche Sicherheit
  • Sichere Bindungsangebote

„Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt...“

  • Burn Out, Sekundärtraumatisierung und
  • Compassion Fatigue – die dunkle Seite der Empathie

„Wer mit traumatisierten Menschen arbeitet, sollte unbedingt beachten...

  • Zur Notwendigkeit von Selbstfürsorge

Tag 2: Dissoziation

 

„Als wäre ich ein Geist der auf mich herunterschaut“

  • Differenzierung: Alltagsdissoziation und störungswerte Dissoziation
  • Diagnostik dissoziativer Störungen (Kleingruppen)
  • Diagnosekriterien ICD
  • Strukturelle Dissoziation
  • Reorientierung durch bilaterale Stimulation (Selbsterfahrung)
  • Flashbackkontrolle über Distanzierung
  • Imaginationstechnik: Innerer Tresor (Dyade und Selbsterfahrung)

 

 

 

Modul 4

 

Termin: Mi Do.11.2021 + Fr 26.11.2021

 

Tag 1: Stabilisierung

 

Alles im grünen Bereich??

  • Sammlung bekannter Techniken zur Beruhigung und Aktivierung
  • Selbstregulation

Hier und Jetzt oder Dort und Damals?

  • Arbeit mit dem Ressourcenbarometer
  • Reorientierung und Flashbackkontrolle
  • „Top down“ oder „body to brain“
  • Distanzierungstechniken
  • Skills
  • Imaginative Verfahren zum Umgang mit schwierigen Gefühlen

Tag 2: Ressourcenarbeit

 

Schatzsuche

Ressourcenaktivierung in der Praxis u.a.

  • Positive life events und die timeline
  • Ressourcenhand
  • Ressourcenrad
  • Aspekte äußerer und innerer Stärke

 

 

 

Modul 5: Trauma und System

 

Termin: Do 16.12.2021 + Fr 17.12.2021

 

Tag 1: Grundlagen systemischen Arbeitens 

Grundlagen systemischen Arbeitens 

  • Definition: Auftrag, System,
  • Triangulation, das Familienmobile,
  • Systemische Fragetechniken

Pädagogisches Arbeiten mit dem Familiensystem u.a.

  • Der dissoziierte Berater (Gruppenübung)
  • Ressourcen im System
  • Ressourcengenogramm
  • Ressourcenblick

Tag 2: Traumatisierte und traumatisierende Systeme

Wenn dein Schmerz mich schwächt oder unser Schmerz alles andere überwiegt

  • Formen systemischer Traumaerfahrung
  • Therapeutische Ansätze
  • Das erstarrte Mobile

Wenn das eigene Trauma vererbt wird  

  • transgenerationale Traumaweitergabe
  • Geschichte
  • Auswirkungen auf die Bindung
  • Epigenetik

Wenn der sichere Hafen vermint ist…

  • Parentale Hilflosigkeit      
  • Psychoedukation und individuelle Entlastung

  

 

Modul 6: Traumapädagogik

 

Termin: Do 03.02.2022 + Fr 04.02.2022

 

Tag 1: Das innere Team

 

Wer bin ich und wenn ja wie viele?

  • die innere Multidimensionalität
  • Grundlagen der kommunikationswissenschaftlichen Ansätze
  • Grundlagen EST (Ego State Therapie)
  • die inneren Kritiker und ihre Antipoden
    (Selbsterfahrung)
  • Anliegenspezifische Aufstellung meines inneren Teams (Selbsterfahrung/Dyade)
  • Versorgung eines inneren Anteils
    (Selbsterfahrung/Dyade)

Tag 2: Traumtherapeutische Ansätze

Schwerpunkt Bildschirmtechnik für die pädagogische Praxis

Was hilft wann und wem?

  • Vorstellung therapeutischer Methoden

Ich kann mich erinnern!

  • abgewandelte Bildschirmtechnik zur Flashbackkontrolle für die traumapädagogische Arbeit
  • Bildschirm und Fernbedienung (Selbsterfahrung /Dyade)
  • Screenen einer belastenden Sequenz (Selbsterfahrung/Dyade)

 

 

 

 

Modul 7: Traumapädagogik

 

Termin: Do 03.02.2022 + Fr 04.02.2022

 

Tag 1: Ego-State-Arbeit

 

Von inneren Richtern, Verfolgern und bösen Geistern

  • Verletzte Anteile-
  • Symptomassoziierte (Affektstates)und traumatisierte Ego States
  • Verletzende Anteile - Täternahe States, traumaassoziierte innere Kritiker
  • Täterloyale und,- imitierende Anteile

With a little help from my (inner) friends

  • Aktivierung des inneren Ressourcenteams
  • Fallaufstellung des inneren Teams anhand des Peichl Kreuzes (Kleingruppe)

Tag 2: Traumasensible Supervision und -Intervision

Transfer der gelernten Inhalte

 

 

 

 

Tag 15: Abschlusscolloquium und Zertifizierung

 

Termin: Fr. 01.04.2022

 

 

Abschlusscolloquium mit Präsentation der Facharbeit,

Zertifizierung und Abschluss

Zertifikat: Fachkraft für Traumapädagogik, nach Teilnahme an allen Seminaren und Abgabe einer (ausreichenden) Abschlussarbeit

 

 

 

 

Referentin:     

Daniela Feuerhak

     
Termine:  

Mi 11.08.2021 + Do 12.08.2021

Mi 15.09.2021 + Do 16.09.2021

Do 21.10.2021 + Fr 22.10.2021

Do 25.11.2021 + Fr 26.11.2021

Do 16.12.2021 + Fr 17.12.2021

Do 03.02.2022 + Fr 04.02.2022

Do 03.03.2022 + Fr 04.03.2022

Fr 01.04.2022

                          

 

jeweils 9.00 – 16.00 Uhr

     
Preis:                 2075,00 €
                         Im Preis sind Seminarunterlagen, Kaffee, kalte
                         Getränke, Obst und Gebäck enthalten.
     
Ort:                    VIA NOVA Akademie
    Schütterberg 19, 25524 Itzehoe

 

 

 

 

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